Das große Geheimnis der Katzen

Mir ist neulich was passiert, das muss ich euch einfach erzählen. Ich spiele, wie jeden Tag mit meinen Katzen und Lilli, die kleine Unersättliche, konnte kein Ende finden. Die Kater waren schon längst am Putzen und Dösen, da spielten wir beide immer noch auf meinem Bett. Nach und nach wurde aber auch bei ihr aus dem Spielen ein Schmusen.

Ihr kennt das bestimmt, ihr schmust selbstvergessen mit eurer Katze und dabei kommen von ganz allein die zärtlichsten Koseworte aus euch heraus.

„Ach Lilli, du bist doch meine kleine Zuckerschnute, mein liebes kleines Katzenmädchen“ flüsterte ich ihr ins Ohr, „der schönste Sonnenschein auf Erden“. Und Lilli schnurrte…

Ich habe erstaunlicherweise ein nicht kleines Repertoire an Kosewörtern für meine Katzen. Meine Männer habe ich Süßer genannt oder mit ihrem Namen angeredet, ein Schatzi oder Hasilein kam mir nie über die Lippen.

Doch zurück zu Lilli, mein Mäusezähnchen und ich lagen auf dem Bett und ich genoss ihr seidenzartes Fell in meiner Hand. Sie wälzte und streckte sich in unserer Zärtlichkeit, schnurrte laut und kehlig und ich gurrte gleich mit.

„Meine liebe kleine Zauberfee, weißt du eigentlich wie lieb ich dich habe“, fragte ich Lilli. „Du bist so eine Schmuseline“ und Lilli schnurrte…

Zart küsste ich ihre süßen Pfoten, die sie mir tretelnd entgegen reckte. Kraulte ihren Bauch… „Oh Mann, was geht’s uns zwei beiden gut mein kleines Lülilinchen!“

„Da hast du völlig Recht Katja, ich fühle mich gerade sauwohl.“

Ich fiel vom Bett und schaute mich panisch in meiner kleinen Wohnung um. Ich war sicher, dass kein anderer Mensch da ist. Tatsächlich, niemand da. Hm, überlegte ich, wahrscheinlich bist du eingeschlafen und hast geträumt.

Lilli lag noch da und guckte mich aus ihren großen Augen an. „Stell dir vor meine Süße“, flüsterte ich ihr zu und streichelte sie wieder, „du hast gerade im Traum zu mir gesprochen, das war richtig schön.“

Sie stand auf und rieb ihr Köpfchen an meiner Hand, schnurrte inbrünstig und blinzelte mir zu. „Aber ich habe zu dir gesprochen Katja.“ Fassungslos schaute ich Lilli an und dachte über eine plötzlich auftretende Schizophrenie bei mir nach.

„Liebste Lilli, willst du mir wirklich erzählen, dass du unsere Sprache sprichst?“

„Ja“, sagte sie und ich hatte ganz stark den Eindruck das sie grinste. „Wenn ihr Menschen uns bei unserem richtigen Namen nennt, dürfen wir Katzen mit euch sprechen. Ich heiße Lüllilinchen, das ist mein Seelenname.“

„Oh Lilli, nein, entschuldige, Lüllilinchen, das ist ja wunderbar! Wie oft hab ich mir gewünscht mit dir und den anderen Katzen sprechen zu können, ich hab so viele Fragen an euch!“

Ich drückte mein kleines Katzenmädchen an mich, ein Traum von mir wurde gerade wahr. Sollte es wirklich möglich sein? Ich dachte an all die vielen Fragen, die ich über ihre Vergangenheit hatte, lebte sie doch nicht von Anfang an bei mir. Auch an Fragen über ihr Befinden oder ihren Geschmack beim Katzenfutter.

Lilli guckte mich wieder mit ihren großen grünen Augen an und meinte: „Es gibt nur eine wichtige Antwort Katja.“ Sie schmiegte sich an mich, streckte mir ihren Bauch entgegen, welchen ich sofort kraulte. Und Lilli schnurrte…

(c) Katja Tuszynski – 2009