Alt und krank?

Mein Mann und ich suchten Anfang 2008 nach einem weiteren Kater für unsere Katzengruppe, die bis dahin aus Kater Moritz (damals 13 Jahre alt), Kätzin Lady und Kätzin Cari (beide damals 11 Jahre alt) bestand.

Wir hatten uns einige Jahre zuvor entschieden, nur noch erwachsene Katzen ab 8 Jahren aufzunehmen, weil erwachsene bzw. ältere Katzen schlechte Chancen haben ein Zuhause zu finden. So kam unsere Lady kam im Alter von acht Jahren und die Cari im Alter von ca. 10 Jahren zu uns.

Im Internet sahen wir die Anzeige einer Organisation, die Katzen und Hunde in Spanien rettet, die Tiere versorgt und dann in Spanien und ins Ausland vermittelt. Der Kater war bereits über 8 Jahre alt und hatte bis dahin kaum Interessenten. PiciasVerm.

Picias war damals mindestens acht Jahre alt. Eine Spanierin hatte von Anwohner erfahren, daß dieser Kater dort schon lange Zeit herumlief. Sie dachte zunächst, es handele sich bei dem Kater um eine trächtige Kätzin, die kurz vor der Geburt steht. Denn der Kater war sehr abgemagert und hatte einen extrem dicken Bauch hatte. Da er sich schon lange Zeit an diesem Ort befand und sich niemand für ihn interessierte, befragte sie die Nachbarn und mit viel Aufwand fand sie die ehemaligen Besitzer.

Diese Menschen waren drei Jahre zuvor umgezogen, hatten dem Kater einen Karton vor die Tür gestellt und ihn sich selbst überlassen. Drei Jahre, also drei Sommer und drei kalte Winter hat sich der Kater durchgeschlagen, sein Futter zusammengesucht und in seinem alten nassen Karton geschlafen.

Picias Retterin konnte die Menschen überreden ihr den Kater zu überlassen, natürlich mit schriftlicher Bestätigung.

Wir wurden informiert, daß der Kater laut Tierklinik vermutlich an einer Futtermittelallergie leide, denn er erbrach sehr viel. Mit einer bestimmten Sorte Futter würde er aber gut klarkommen. Picias kam zu uns und lebte sich schnell ein. Er war so extrem menschenbezogen und verschmust, daß wir uns täglich fragten, wie sehr der Kater wohl draußen alleine gelitten haben muss.

Mit den anderen Katzen vertrug er sich anfangs eher leidlich. Wir denken, daß er in den Jahren der Einsamkeit viele Auseinandersetzungen erlebt hat, so dass er anderen Katzen gegenüber ablehnend reagierte. Aber das konnten wir mit alternativen Heilmethoden gut behandeln. Nach wenigenWochen war eine gute Tendenz zu erkennen.

Ca. 6 Wochen nach seinem Einzug ging es ihm gesundheitlich schnell schlechter, er erbrach sehr viel und sehr schlimm. Diverse umfangreiche Untersuchungen ergaben, dass der Kater unter mehreren schweren organischen Erkrankungen litt, einen Lungentumor hatte und einiges mehr.

Die Tierärzte machten uns wenig Hoffnungen. Nach weiteren Wochen sagte man uns, dass wir darüber nachdenken sollten, den Kater einschläfern zu lassen.

Wir wollten noch eine einzige Chance nutzen, weil wir sahen, wie gerne Picias lebte. Er liebte das Leben, mit allen seinen Facetten, er liebte das Spielen und Rennen und man sah ihm an, daß er sich alle paar Minuten neuen Schabernack ausdachte.

Wir besprachen mit der Tierheilpraktikerin eine letzte Therapie und die brachte den Kater auf die Beine. Es war deutlich zu sehen, daß er leben wollte, so sehr leben wollte.

Mit intensiven homöpathischen Behandlungen kam er zu Kräften. Es änderte sich zwar wenig an seinen Blutwerten, auch der Tumor blieb, aber der Kater nahm wieder Nahrung zu sich und fing langsam an zu spielen…..er war zurück im Leben.  SpielPicias

Von dem Tag an war uns klar, dass wir noch einmal wertvolle Zeit geschenkt bekommen haben und wir nutzten sie genauso wie Picias.

Picias liebte mittlerweile seine kätzischen Gefährten. So ging es hier munter über Tische und Bänke und er genoss den Spätsommer auf dem Balkon, unsere Spiele und die gemeinsame Zeit.

Da unsere Katzen nur in der Wohnung leben und auf den katzensicher eingenetzten Balkon gehen können, denken wir uns immer neue Beschäftigungsmöglichkeiten aus, dazu gehört z.B. das Balancieren über eine Holzlatte oder das Springen durch Reifen. Obwohl Picias all das nicht kannte, war er schnell mit großem Eifer dabei.

SpringPicias

Picias genoß seine Zeit sichtlich. Er liebte uns, er liebte unsere Besucher, er liebte jeden Menschen, er liebte es gestreichelt zu werden, er liebte es umarmt zu werden, er legte sich dann wie ein Baby in den Arm und schlief umgehend ein. Er hatte viel nachzuholen.

KuschelPicias

Im September 2009 war die Zeit des Abschieds gekommen. Picias´Körper wurde schwächer und er schlief sanft ein.

Ja, natürlich waren wir sehr traurig. Traurig, dass wir diesen kleinen tapferen Kater nur 16 Monate lang begleiten durften. Aber aus der Trauer wurde eine tiefe Freude, daß wir ihn seine letzten 16 Monate begleiten durften.

Er bekam bei uns noch einmal die Chance auf ein neues, ein lebenswertes Leben. Er bekam die Chance noch einmal geliebt und gehalten zu werden, entspannt die Sonne genießen zu dürfen, jederzeit satt zu werden und ohne Angst vor Gefahr und Kälte sein Leben zu leben.

Wir haben durch und mit Picias viel gelernt. Er hat alles mit Freude angenommen, voller Herzenslust gespielt und seine Zuneigung vehement eingefordert. Er hat uns so oft zum Lachen gebracht mit all seinen komischen Ideen, dass wir dankbar sind, daß wir ihn kennen- und liebengelernt haben.

PiciasPortrait

Picias´Platz blieb drei Monate leer, aber es war dann doch klar, daß wieder ein erwachsener Kater einziehen soll.

Und so zog Yogi ein, ein ca. 9jähriger Kater, der viele Jahre in einem vermüllten Messihaushalt lebte. Mindestens vier Jahre davon verbrachten er und seine vielen Katzen- und Hundegefährten in Dunkelheit, weil die Besitzerin psychisch krank war und die Fenster mit Bretter vernagelt hatte. Auch Yogi hat den Weg zurück in ein normales Leben gefunden. Und wieder staunen wir und freuen uns, daß erwachsene Katzen mit schwieriger Vergangenheit durchaus in der Lage sind, ihre neue Chance wahrzunehmen und zu leben….aus vollem Herzen zu leben.

MoCaYoFür uns ist klar, daß wir nur noch ältere Katzen aufnehmen werden. Sicher, sie sind eigen, aber sind wir Menschen das nicht auch? Wir haben eine “Katzen-Patchwork-Familie”, in der jeder sein Päckchen zu tragen hat. Aber wir haben eine Basis gefunden, die für alle Katzen gut ist.

Vielleicht kann Picias Geschichte dazu beitragen, dass auch andere Menschen sich auf das Abenteuer “ältere” Katzen” einlassen möchten. Denn auch, wenn ihre Zeit bei uns manchmal begrenzt ist, brauchen gerade die reiferen Samtpfoten einen Platz fürs Leben – und Menschen, denen sie ihre Liebe schenken dürfen.

Quelle Fotos 1 – 6: (c) Claudia